Moritz saß traurig auf der Rückbank im alten Auto von Opa Johann. Er hielt seinen Teddybären ganz fest im Arm.
Er dachte an Mama und Papa. Sie fehlten ihm sehr. Sie mussten für ein paar Monate ins Ausland reisen. Moritz wusste nicht genau, wie lang „ein paar Monate“ sind. Er wusste nur, dass es sich sehr lange anfühlen würde.
Am Morgen hatte er sich von seinen Eltern verabschiedet. Am nächsten Tag würden sie losfliegen. Opa Johann hatte Moritz abgeholt, denn solange Mama und Papa weg waren, sollte Moritz bei Oma Elisabeth und Opa Johann wohnen.
Moritz hatte seine Großeltern lieb. Sie waren freundlich und kümmerten sich gut um ihn. Manchmal verwöhnten sie ihn sogar. Trotzdem war alles anders ohne Mama und Papa. Seine Großeltern wohnten zwei Stunden Autofahrt entfernt, und deshalb war Moritz nicht oft bei ihnen gewesen.
Jetzt würde er länger bei ihnen bleiben. Er musste sogar in eine neue Schule gehen. Das machte ihm ein bisschen Angst.
„Sei nicht traurig“, sagte Opa Johann und lächelte. „Die Zeit geht schneller vorbei, als du denkst. Und wenn Mama und Papa wiederkommen, wirst du uns bestimmt vermissen.“
Dann zwinkerte er Moritz zu. „Außerdem haben wir einen Schrebergarten. Dort kannst du mir helfen. Bei der Arbeit merkt man gar nicht, wie schnell die Zeit vergeht.“
„Was ist ein Schrebergarten?“, fragte Moritz neugierig.
„Oma und ich haben am Rand der Stadt einen kleinen Garten gemietet“, erklärte Opa. „Dort pflanzen wir Gemüse an und sind viel an der frischen Luft. Der Garten wird dir gefallen.“
Kurz darauf kamen sie bei Oma und Opa zu Hause an.
Oma Elisabeth öffnete die Tür, und es roch wunderbar nach Mittagessen.
Beim Essen erzählten Oma und Opa, dass es in der Nähe des Gartens einen Bauernhof gibt. Dort lebten auch andere Kinder. Mit ihnen könnte Moritz spielen. Sie würden sogar in dieselbe Schule gehen wie er.
Moritz wurde ein bisschen fröhlicher. Vielleicht würde es ja doch ganz schön werden.
Nach dem Essen zeigte Oma ihm die Wohnung. Moritz bekam ein eigenes Zimmer. In der großen Küche durfte er immer spielen und helfen. Das war Omas Lieblingsplatz.
Im Wohnzimmer saß Opa Johann oft am Tisch und schrieb in sein Buch.
„Was schreibst du da?“, fragte Moritz.
„Ich schreibe ein Buch über die Geschichte unseres Dorfes“, antwortete Opa. „So können die Menschen später wissen, wer ihre Vorfahren waren.“
Bei dem Wort Vorfahren dachte Moritz wieder an Mama und Papa. Seine Augen füllten sich mit Tränen.
„Warum sind Mama und Papa ohne mich weggefahren?“, fragte er leise.
Oma Elisabeth nahm ihn in den Arm.
„Im Ausland sprechen die Menschen eine andere Sprache“, erklärte sie. „Für dich wäre dort alles sehr schwierig gewesen – die Schule und der Alltag. Aber wir freuen uns sehr, dass du bei uns bist.“
Dann sagte sie freundlich: „Gott weiß, warum alles so ist. Er verspricht uns, dass am Ende alles gut wird. Und ich bin sicher, dass wir eine schöne Zeit zusammen haben werden.“
Moritz kuschelte sich an Oma und fühlte sich ein kleines bisschen besser.
