Moritz und die Eifersucht
Eines Morgens war Mia viel fröhlicher als sonst.
Moritz fragte sie, warum sie so gute Laune habe, und sie erzählte ihm, dass ihre Tante, die in Bergen in Norwegen wohnt, angerufen hatte. Ihre Cousine Stina, die sie schon lange nicht mehr gesehen hatte, würde zu Besuch kommen.
Moritz fragte sich, wo Norwegen genau liegt. Der Name des Landes hörte sich jedenfalls sehr kalt an. Und dass Mia dort eine Cousine hatte, wusste er bisher gar nicht.
Mia fieberte dem Tag, an dem Stina ankam, entgegen, und danach war sie den ganzen Tag mit Stina zusammen, ohne sich um Moritz zu kümmern.
Na gut, dachte Moritz, sie haben sich lange nicht gesehen und müssen sich erst einmal wieder neu kennenlernen. Doch als Mia fünf Tage lang nicht kam, bekam er langsam schlechte Laune.
Am sechsten Tag kam Mia, aber sie brachte Stina mit, und Moritz bemerkte, dass Stina für Mia wichtiger geworden war als er.
Er war nun nicht mehr ihr bester Freund. Stina war ihre beste Freundin geworden – und obendrein auch noch ihre Cousine.
Seine Oma wunderte sich, dass er so schlechte Laune hatte und zu Stina unhöflich war.
Vor dem Zubettgehen wurde er sogar gegenüber Oma Elisabeth pampig, und sie fragte ihn, was los sei. Als Moritz ihr seinen Kummer erzählte und seine schlechte Laune selbst nicht richtig in Worte fassen konnte, erklärte sie ihm:
„Du bist eifersüchtig. Du bildest dir ein, dass Mia Stina jetzt lieber mag als dich. Erstens stimmt das nicht, denn Mia mag dich genauso gern wie vorher. Und zweitens gefällt Gott Eifersucht überhaupt nicht. Wer eifersüchtig ist, stellt sich selbst in den Mittelpunkt und sucht nach einem Grund, um sich zu ärgern. Außerdem glaubt ein eifersüchtiger Mensch, den anderen besitzen zu können.“
Moritz musste zugeben, dass das stimmte, und es ging ihm gleich besser.
Oma erzählte ihm noch eine ihrer Gute-Nacht-Geschichten, sprach das Abendgebet mit ihm, und sie baten Gott, sein Herz von der Eifersucht zu heilen.
Am nächsten Tag spielte Moritz gut gelaunt mit Mia und Stina im Garten.
